Karl der Käfer wurde nicht gefragt – der kurze Frühling des Internet of Things (oder: warum wir es schon wieder verkacken mit dem Netz)

re:publica 2015
Business & Innovation

Short thesis: 

Mit dem Internet of Things erleben wir derzeit die zweite Welle der Digitalisierung – das Netz steckt nicht mehr nur hinter dem Bildschirm, sondern zunehmend in alltäglichen Dingen um uns herum. Anfänglich war diese Bewegung von MakerInnen, Ausprobieren und auch europäischer Open-Source-Technologie geprägt. Doch jetzt steigen die grossen Konzerne und Verbände ein, und versuchen über Industrie-Standards und Closed-Source Lösungen dem wilden Treiben ein Ende zu bereiten. Gibt es noch eine Chance für ein offenes Internet of Things?

Description: 

Spätestens seit Cisco mit dem "Internet of Everything" wirbt, und der Daimler-Chef auf der CES die Keynote hält dürfte allen klar sein - das Internet of Things ist keine Spielwiese mehr, sondern wird zunehmend von den grossen Firmen als riesige Geschäfts-Chance gesehen. Die Wachstumszahlen sind auch gigantisch, bereits jetzt kommunizieren in den meisten Netzen mehr Maschinen miteinander als Menschen, Autos, Flugzeugturbinen und Babywindeln sind mit dem Netz verbunden und produzieren Daten im Sekundentakt. 

Anfangs war diese Bewegung stark von der Maker-Kultur geprägt und vor allem auch von zwei Hardware-Plattformen aus Europa - zum einen dem Raspberry Pi aus England, zum anderen der Arduino-Plattform aus Italien. Beide aus universitären Projekten entstanden, offen und zunächst so überraschend leistungsschwach, dass die grossen Player die Bewegung ignorierten. Doch das hat sich geändert. Intel hat auf der Maker-Faire in Rom seine neue Plattform vorgestellt, Microsoft bietet Cloud-Lösungen für Maker an und vermutlich bald auch Hardware, Cisco will vorne dabei sein usw. - zusätzlich laufen im Hintergrund intensive Bemühungen die Protokolle und Standards für das IoT festzulegen, amerikanische Firmen sind dabei führend, aus Europa spielt bestenfalls noch Siemens mit. Siemens!

Die grosse Chance, dieses neue Netz der Dinge von unten zu gestalten, droht uns damit in den Fingern zu zerrinnen. Zugleich wird die alltägliche Macht dieses Netzes ungleich grösser sein, denn das IoT wird unser Auto steuern, die Toilette, die Haustüre und mit unseren Gesundheitsdaten Versicherungen und Arbeitgeber glücklich machen. Wenn wir es nicht noch verhindern. 

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STG-6
Thursday, May 7, 2015 - 16:15 to 16:45
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